Schließen Sicherheitshinweise für Gas-Standherde. Bitte klicken Sie hier.
Edward Glaeser – die Zukunft unserer Städte

Die Zukunft des urbanen Lebens liegt in unseren Händen

Technologischer Wandel macht Städte lebenswerter.

Technologie muss mit klugen Anreizen und besseren Institutionen einhergehen – so Professor Edward Glaeser. Wenn wir uns daran halten, können wir unsere Fähigkeiten und Innovationen radikal verstärken. Insbesondere durch den intensiven Austausch und die sinnvolle Vernetzung miteinander lässt sich so die Lebensqualität für alle verbessern.

Wir leben in einer großen Epoche der Urbanisierung. Viele Städte im Westen, von Boston bis Berlin, haben auf imposante Weise ihre postindustrielle Talsohle hinter sich gelassen. Noch beeindruckender: Die Städte in den Entwicklungsländern expandieren gewaltig und zählen mittlerweile über 2,9 Milliarden Bewohner. Globalisierung und technologischer Wandel sind die Basis unseres urbanen Zeitalters. Im reichen Teil der Welt haben sie Fähigkeiten und Innovationen radikal verstärkt. Dazu kommt, dass wir als soziale Spezies durch den Umgang mit anderen klugen Menschen selbst immer klüger werden. In den ärmeren Teilen der Welt bietet der Handel in den Städten wirtschaftliche Chancen, die es in armen ländlichen Gegenden nie geben könnte.

Autonome Fahrzeuge in der Stadt Autonome Fahrzeuge ©iStock
Der technologische Wandel bietet Chancen, unsere Städte erheblich lebenswerter zu machen, aber nur wenn sich neue Technologien mit besseren Anreizen und Institutionen verbinden. Beispielsweise bieten selbstfahrende Autos eine Möglichkeit zur besseren Organisation des Stadtverkehrs und zur produktiveren Gestaltung der im Stau verbrachten Zeit. Aber wenn es dadurch erträglicher wird, im Stau zu stehen, werden mehr Menschen bereit sein, im Verkehr festzusitzen, und die Staus werden schlimmer werden. Die Ökonomen Gilles Duranton und Matthew Turner haben festgestellt, dass das Verkehrsaufkommen fast völlig flexibel ist: Die Anzahl der im Fahrzeug zurückgelegten Gesamtkilometer erhöht sich fast eins zu eins mit der Anzahl neu gebauter Autobahnkilometer.

Im Hinblick auf autonome Fahrzeuge bedeutet das, dass wir sofort eine GPS-basierte Staugebühr einführen müssen. Wenn wir den Fahrern die Staus und Umweltschäden, die sie verursachen, in Rechnung stellen, können wir sicherstellen, dass autonome Fahrzeuge die Lage verbessern und nicht verschlechtern. Im Idealfall werden solche Gebühren in Echtzeit auf das Verkehrsaufkommen an jedem beliebigen Ort angepasst, sodass die Fahrer bessere Entscheidungen treffen können, wann und wohin sie fahren.

Der Bedarf an Anreizen und Infrastruktur wird in den Entwicklungsländern noch deutlicher. Der wirtschaftliche Vorteil der Urbanisierung armer Länder ist enorm, aber die dichte Besiedlung, einschließlich Verkehrsstaus, ansteckender Krankheiten und Verbrechen, hat auch Schattenseiten. Städte, deren Verkehr regelmäßig kollabiert, wie Peking und São Paulo, würden besonders von einer Staugebühr à la Singapur profitieren.

In ärmeren Gegenden, wie zum Beispiel den Städten in Afrika, ist sauberes Wasser besonders wichtig. Doch selbst wenn wohlmeinende Spender Hauptwasserleitungen bauen, geben ärmere Gemeinden ihre knappen Mittel ungern für Wasser- und Kanalisationsanschlüsse aus. Als Folge entstehen die Probleme sozusagen auf den letzten Metern: Das Wasser fließt zwar in die Stadt, gelangt aber nicht in die Häuser der Ärmsten.

Wasseruhren in einer asiatischen Stadt Wasseruhren in einer asiatischen Stadt ©Yulan, CanStockPhoto
Diese Städte müssen Anreize für den Anschluss schaffen. Dazu gehören sowohl Subventionen als auch Strafen. New York etwa baute 1842 seinen großen Croton-Aquädukt, aber die Cholera-Epidemie endete erst nach 1866, weil die Armen nicht bereit oder in der Lage waren, für das Wasser zu zahlen. Die Stadt wurde erst sicherer, als die Gesundheitsbehörde begann, Grundbesitzer zu bestrafen, die sich nicht an die Wasserversorgung anschließen ließen. Solche Strafen werden in den Entwicklungsländern schwieriger durchzusetzen sein, weil Landbesitz in den Slums so unübersichtlich ist. Im deutschen Grundgesetz heißt es, „Eigentum verpflichtet“, und um diesen Gedanken umzusetzen, müssen auch Entwicklungsländer für mehr Klarheit bei den Eigentumsverhältnissen sorgen.

Die Technologie hat unsere Städte wachsen lassen und ist auch in der Lage, sie gesünder und nachhaltiger zu machen. Technologie allein ist allerdings kein Allheilmittel. Sie muss mit klugen Anreizen und besseren Institutionen einhergehen.

Text: Prof. Edward Glaeser

Edward Glaeser ist Professor für Ökonomie an der Faculty of Arts and Sciences der Harvard University. Er hat Dutzende von Arbeiten zum wirtschaftlichen Wachstum von Städten sowie zu Recht und Ökonomie veröffentlicht. Sein Schwerpunkt liegt insbesondere auf den Faktoren des Städtewachstums und der Rolle der Städte als Zentren der Ideenübertragung. Weithin bekannt wurde er durch sein Buch „Triumph of the City: How Our Greatest Invention Makes Us Richer, Smarter, Greener, Healthier, and Happier“, Penguin Press, 2011

Weitere Informationen zu Edward Glaeser finden Sie hier

Foto ganz oben © iStock

Media cart Kontakt Nach oben