Hausgeräte Design

Was macht gutes Hausgeräte-Design aus?

Sechs Experten über die Küche von morgen.

Die Designer der BSH-Marken haben sich Gedanken über die Prinzipien ihrer Arbeit, bunte Farben für Kühlschrank und Herd, perfekte Bedienknöpfe und die Zukunft der Gestaltung von Hausgeräten gemacht. Kluge Antworten auf nicht ganz einfache Fragen.

EB333 ©BSH Hausgeräte GmbH (Gaggenau)
Im Auge des Betrachters, also unseres Kunden, muss ein gutes Design sofort dessen Erwartungen übertreffen und klare Botschaften aussenden, was das Hausgerät für ihn leisten kann.
(Niko von Saurma, Regional, Tactical and OEM Brands)

Die Geräte sollten sich perfekt in das Umfeld einfügen und der passende Partner für die Küche sein. Das Design muss Verlässlichkeit, Robustheit, Langlebigkeit und eine eigene Ästhetik vermitteln.
(Ralf Grobleben, Neff)

Echte, spürbare und außergewöhnliche Materialität, eine klare, zurückhaltende und auf das Wesentliche reduzierte Gestaltung, eine intuitive, einfache, aber überraschende Bedienung – und trotz aller modernen Technologie soll das Design dem Produkt eine Seele verleihen.
(Sven Baacke, Gaggenau)

Stabmixer ©BSH Hausgeräte GmbH (Consumer Products)
Nein. Heute würde man eher „form follows human needs“ formulieren.
(Helmut Kaiser, Consumer Products)

Für die Siemens-Hausgeräte ist dieser Anspruch nach wie vor uneingeschränkt gültig. Allerdings trägt dieser Grundsatz allein schon lange nicht mehr. Mehr denn je ist es wichtig, der Marke Gesicht zu verleihen. Die unverwechselbare Gestaltung der Siemens-Hausgeräte ist minimalistisch, klar und schafft ein souveränes Erscheinungsbild. Wir erschaffen neue Trends, die in der Branche neue Standards setzen. Nicht zufällig wird das Siemens-Design sehr gerne kopiert.
(Gerhard Nüssler, Siemens)

Ich würde das inzwischen eher so formulieren: eine Symbiose aus Form und Funktion. Und für das Gaggenau-Design im Speziellen: eine Symbiose aus Tradition und Avantgarde. Es ist seiner Zeit voraus, während es gleichzeitig seinem Wesen treu bleibt.
(Sven Baacke, Gaggenau)

Der Grundsatz ist teilweise richtig, da viele Entscheidungen nicht nur von Funktionen abhängig sind, sondern auch von Faktoren wie Emotionen, Markenloyalität oder davon, ob sie zum ästhetischen Umfeld passen. Wir müssen eine verständliche, durchgängige und zielgruppenspezifische Designsprache anbieten, die einen wahrnehmbaren Kundennutzen darstellt: „form follows perceivable value“.
(Niko von Saurma, Regional, Tactical and OEM Brands)

TwistPad ©BSH Hausgeräte GmbH (Neff)
Bedienelemente sind über ihre eigentliche Funktion hinaus immer auch Schlüsselelemente unserer Designsprache. Mit dem ikonischen Bedienring der neuen Gerätegeneration haben wir sprichwörtlich das Rad neu erfunden. Er ist ein Sinnbild für Einfachheit und vermittelt dadurch Vertrauen. (Robert Sachon, Bosch)

Er muss für den Kunden „selbstverständlich“ und leicht bedienbar sein. Der perfekte Bedienknopf ist entsprechend seiner Einbausituation dimensioniert und gestaltet. Wenn wir es schaffen, dem noch eine spielerische Komponente zu geben, wie beim Neff TwistPad, so sind wir unseren Ansprüchen gerecht geworden. (Ralf Grobleben, Neff)

Mit „Knopf“ hätte man sich schon zu früh festgelegt. Die Produktinteraktion hat sich in den letzten Jahren dramatisch geändert, ganz speziell durch Smartphones. Durch dynamische Inhalte kann man Funktionen sehr viel leichter interpretieren und an die Situation anpassen. Dabei ist wichtig, dass man jedes Gerät spontan, intuitiv und ohne Bedienungsanleitung bedienen kann. Meine dreijährige Tochter kann mühelos auf einem iPhone den Bilderordner finden und Fotos durchblättern. Ich glaube, wir sind bei Hausgeräten in dieser Hinsicht erst am Anfang einer neuen Welt. (Niko von Saurma, Regional, Tactical and OEM Brands)

Gaggenau ©BSH Hausgeräte GmbH (Gaggenau)
Die Farbe Weiß, in all ihren tonalen Abstufungen, ist nach wie vor bestimmend bei der Wahl von Küchenfronten. Das macht die Kombination mit weißen Hausgeräten so schwierig. Wir können diese Farbvielfalt nicht abbilden. Bei Hausgeräten setzt sich im Einbau die Farbe Schwarz, z.B. in Glasfronten, mehr und mehr gegen Edelstahl durch. Zukünftig werden wir neben Stein und Beton aber auch ganz neue Materialien in der Hausgeräte-Welt finden. Keramik und Black Steel sind hier nur ein Anfang. (Gerhard Nüssler, Siemens)

Farben kommen und gehen und spiegeln stark die aktuellen Wohntrends wieder. Weiß ist dabei weiterhin der Dauerbrenner, wenn auch oft in einer etwas abgetönten Variante. Da die Küche aber immer stärker mit dem Wohnraum verschmilzt, spielen wärmere Farben und echte Materialien eine immer größere Rolle. (Sven Baacke, Gaggenau)

Die Küche wird aufgrund der allgemeinen Raumverknappung zum Teil des Wohnraums. Demzufolge rückt ihre Gestaltung und Farbgebung stärker in den Vordergrund. Auch die Wahl der Materialien spielt eine große Rolle. Aktuell werden authentische und wertige Materialien wie Holz, Metall und Glas verwendet. (Helmut Kaiser, Consumer Products)

Ikon RIng ©BSH Hausgeräte GmbH (Bosch)
Die Gesellschaft befindet sich im ständigen Wandel. Demzufolge sind auch Hausgeräte und ihre Anwendung unterschiedlichen und neuen Anforderungen unterworfen. Veränderte Lebensräume und internationale Speisenzubereitung nehmen deutlichen Einfluss auf Hausgeräte und ihre Gestaltung.
(Helmut Kaiser, Consumer Products)

Unsere Geräte überdauern kurzfristige Moden und Trends. Die Kunst liegt daher nicht nur darin, zwischen kurz- und langfristigen Trends zu unterscheiden, sondern bewusst Trends zu setzen.
(Robert Sachon, Bosch)

Das ist sicher von Marke zu Marke unterschiedlich. Das Design der Siemens-Hausgeräte ist von langlebigen Trends beeinflusst. Unser Anspruch und unsere Haltung verbieten es, kurzlebigen, modischen Trends nachzueifern. Seit jeher orientiert sich unser Design an langfristigen Entwicklungen und nachhaltigen Innovationen. Damit unsere Kunden auch nach zehn Jahren ein Produkt besitzen, das optisch modern ist.
(Gerhard Nüssler, Siemens)

Waschmaschine ©BSH Hausgeräte GmbH (Constructa)
Die Markenloyalität bei Hausgeräten scheint weniger ausgeprägt zu sein als bei anderen Konsumprodukten. Am wichtigsten ist, dass der Kunde ein ganzheitliches, stimmiges und glaubwürdiges Markenkonzept wahrnehmen und erleben kann. Die Preisbereitschaft hängt auch stark davon ab, ob unser Kunde über die pure technische Vergleichbarkeit hinaus einen sinnvollen Mehrwert in unseren Marken sieht. Und hier kommt dem Design eine tragende Rolle zu, diesen Mehrwert auch richtig zu verpacken. (Niko von Saurma, Regional, Tactical and OEM Brands)

Als Mehrmarkenunternehmen ist Differenzierung der Garant für den anhaltenden Erfolg unserer Marken. (Robert Sachon, Bosch)

Das Design ist der täglich erlebbare Teil der Marke. Es ist elementar und entscheidend, um der Marke ein Gesicht zu geben. Markenspezifisches Design ist nicht nur die Hülle, sondern auch die Interaktion mit den Geräten. Wir betrachten die gesamte Küche und entwickeln eine schlüssige Geschichte für unsere Zielgruppe. (Ralf Grobleben, Neff)

Siemens ©BSH Hausgeräte GmbH (Siemens)
Dem Design kommt eine entscheidende Rolle zu, wenn es darum geht, zwischen technischer Machbarkeit und Sinnhaftigkeit zu vermitteln. Vernetzung bedeutet nicht, immer mehr anzubieten, sondern das Wesentliche im richtigen Moment. (Robert Sachon, Bosch)

Geräte werden intelligenter, funktionale Inhalte komplexer. Um diese Vorgänge transparent zu machen, gewinnt die Kommunikation zwischen User und Gerät immer mehr an Bedeutung. Hierfür intuitive und intelligente Bedienkonzepte zu erarbeiten, ist elementarer Bestandteil des Produktdesigns. (Helmut Kaiser, Consumer Products)

Küche der Zukunft ©BSH Hausgeräte GmbH (Siemens)
Die Grundstruktur der Küche und die Archetypik der Hausgeräte werden sich, nach meiner Überzeugung, nicht wesentlich verändert haben. Das Design der Geräte, die Interaktion damit, die Technologien und Materialien werden anders sein. Ein Siemens-Hausgerät wird man aber auch dann noch eindeutig als solches erkennen können. (Gerhard Nüssler, Siemens)

Möglicherweise ist die Küche bis dahin komplett in den Wohnraum integriert, Geräte und Technologie sind vollkommen unsichtbar? Werden dann frische Lebensmittel ein echter Luxus sein und ganz besonderer Lagerung bedürfen? Werden Wohnungen, und damit auch Küchen und Küchengeräte, in großen Ballungsräumen noch kleiner und optimierter werden? Ich glaube allerdings, dass auch in zwanzig Jahren die Küche noch immer das Herz des Hauses sein wird und wir weiterhin am sprichwörtlichen Feuer zusammenkommen werden – auch wenn es dann möglicherweise ein digitales ist … (Sven Baacke, Gaggenau)

Die Küche bleibt das Herz, das Zentrum, der Treffpunkt im Haus, wo man sich gerne aufhält. Alte und neue Dinge werden wie selbstverständlich koexistieren: die App, der persönliche Assistent in der Cloud und der Topf der Großmutter, mit dem sie immer diese wunderbaren Gerichte gezaubert hat. (Ralf Grobleben, Neff)

Foto ganz oben: ©iStock

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