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Kluge neue Shoppingwelt

Die Digitalisierung verändert unser Einkaufserlebnis.

Mehr von allem, bitte! Mehr Technik, Erlebnis, Bequemlichkeit! Die Dinge des Alltags werden immer klüger, der Handel erfindet sich neu, Roboter lernen laufen, und Drohnen fliegen bald durch einen Kaufkosmos, der uns in Staunen versetzt.

Digitale Displays helfen beim Einkauf Digitale Displays helfen beim Einkauf ©Imago

Die Dinge unseres Alltags werden immer intelligenter – und verändern damit auch unsere Konsumwelt. Einkaufswagen, zum Beispiel, merken sich genau, wen sie durch den Markt begleiten. Sie bleiben uns selbstfahrend auf den Fersen und umgehen dabei geschickt Hindernisse. Die Preisschilder von morgen sind kluge, kommunikative digitale Displays, die Informationen über Inhaltsstoffe, Allergene, Produktbewertungen und unseren Standort an unser Smartphone senden. Verstärkung kommt vom klugen Regal. Es versteht unsere Gesten und liefert per Bildschirm zusätzliches Wissen über Produkte, auf die wir zeigen, etwa zu Nährwert, Ursprung oder ökologischem Fußabdruck. Am Ende zahlen wir ganz ohne Wartezeit per Smartphone und erhalten zu den Lebensmitteln auf der Rechnung noch eine passende Rezeptempfehlung.

Das Smartphone als Einkaufshilfe Das Smartphone als Einkaufshilfe ©Getty Images

Überhaupt ist das Smartphone der Star der Zukunft, bester Freund, Manager unseres Lebens, die ultimative Schnittstelle zu einfach allem. Wir kurven damit durch den Bau- und Technikmarkt, gelotst von einer Wegbeschreibung per Markt-App, die sich an unserer abgespeicherten Einkaufsliste orientiert, damit wir nicht ratlos zwischen Gang 2 und 49 verloren gehen. Das Handy liest den QR-Code von Angeboten im Leuchtdisplay an der Haltestelle und verführt zum Direktkauf. Das Smartphone kommuniziert schon jetzt mit unserem Kühlschrank, der ebenfalls einige IQ-Punkte zugelegt hat, Infos über seinen Inhalt liefert und Alarm schlägt, wenn etwa die Milch alle ist. Ob Newsletter, personalisierte Kaufempfehlungen, Angebote oder Rabatte von Geschäften, in denen wir gern einkaufen, die Info vom Verkäufer, dass die bestellte Ware eingetroffen oder gerade die Fortsetzung unseres Lieblingsromans herausgekommen ist – alles erreicht uns per Smartphone. Oder es projiziert Möbelstücke in 3D-Optik aus Katalog und Internet für einen ersten Eindruck in Wohnzimmer und Küche. „Das Smartphone wird das zentrale Kaufelement der Zukunft sein. Und das Internet bleibt das Informationsmedium Nummer eins“, fasst Dr. Kai Hudetz, Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung (IFH) in Köln, zusammen.

Zentral für diese Entwicklung sind zwei Dinge: Erstens die Geschwindigkeit des Wandels. „Die Technik entwickelt sich stets schneller weiter, als wir denken. Sobald der Konsument einen echten Mehrwert erlebt, wird die Technik in hohem Tempo adaptiert“, so der Experte für Handel im digitalen Zeitalter. Zweitens würden die Kundenansprüche stetig steigen. In den kommenden Jahren darf es immer noch ein bisschen mehr sein: mehr Kauferlebnis, Qualität, Bequemlichkeit, Service. Experten wie Hudetz gehen davon aus, dass sämtliche Kaufkanäle, vom Katalog bis zu On- und Offlineshops, zusammenwachsen. Dem begegnet der Handel am besten mit neuen Konzepten wie dem Click-&-Collect-System – online kaufen und die Ware dann im Laden abholen. „Insgesamt wird es mehr flexible Formate geben“, schätzt der Fachmann. Stationäre Geschäfte würden den Onlinehandel ergänzen, sich aber verändern und liefern, was wir nicht per Klick bekommen. „Online kaufe ich ‚nur’ ein Produkt, die Jeans, die Schuhe. Im stationären Handel bekomme ich zusätzlich Beratung, Service, Aufmerksamkeit, ein Erlebnis.“

Außerdem könnten wir uns noch so ausführlich im Internet schlaumachen, „am Ende wird der Verkäufer wieder wichtig – für einen Rat, ein Aufmaß oder Preisverhandlungen“, so der Handelsspezialist Hudetz. Ergänzend hätten persönliche, individuelle Konzepte wie der Tante-Emma-Laden gute Chancen, weil „es keine Entwicklung ohne Gegenentwicklung gibt“. Das bedeutet: Große Verkaufsflächen werden selten, kleine Läden, Showrooms und Pop-up-Shops mit Eventcharakter und viel Technik mehren sich. Wer etwa Herde, Backöfen und Kühlschränke verkauft, wird auch Geschirr und Ernährungsseminare auf wechselnden kleinen Flächen anbieten. In der Lounge des Küchenstudios gibt es Kaffee und Kuchen, der warm und frisch aus dem neuen Backofen-Modell kommt. Auf Bühnen finden Moden- oder Warenshows statt, dabei darf ausprobiert und angefasst werden.

Im Planungsbüro gestalten Fachberater per 3D-Tool die neue Küche, diskutieren Sonderwünsche und die Nutzung der Ecken. VR-Brillen sorgen für neue Perspektiven, wenn wir den brillenbewehrten Kopf in den Kühlschrank stecken. Umkleidekabinen beraten über Touchscreen-Bildschirme – wir scannen den Barcode der ausgewählten Kleidung und sagen dem System, was nun passieren soll, etwa dass der Verkäufer den Business-Anzug in Dunkelblau statt in Grau bringt. Nebenbei lernt die kluge Kabine schnell, was wir uns wünschen und welche Passform wir haben und macht entsprechende Produktvorschläge.

Ein Roboter liefert Ware aus Ein Roboter liefert Ware aus ©Hermes

Haben wir uns entschieden, tippen wir auf „Kauf“ und marschieren mit der Beute zur Kasse, wo die fertige Rechnung und der Verkäufer mit dem Tablet warten – ohne Bezahlen geht es auch in Zukunft leider nicht. Dabei nimmt der Verkäufer unsere Daten auf, um sich später per Mail oder SMS nach unserer Zufriedenheit zu erkundigen. Und falls wir unsere Tüten nicht selbst nach Hause tragen möchten, bestellt er uns noch einen Fahrradkurier, Roboter oder eine Drohne. Diese drei Lieferformen blicken einer rosigen Zukunft entgegen. In Innenstädten setzt der Handel vor allem auf das Fahrrad, alternativ auf Mitbring-Systeme wie sie gerade Walmart mit den zwei Mitfahr-Start-ups Uber und Lyft für die Zustellung von Online-Bestellungen testet. „Drohne und Roboter werden kein Service für die Masse“, vermutet Hudetz, „Tempo und Bequemlichkeit müssen auch bezahlt werden. Es gibt allerdings Einsatzbereiche, die prädestiniert sind für diese Technik, zum Beispiel dringende Medikamente und Ersatzteile.“ Längst testen Transportunternehmen diverse Einsatzmöglichkeiten für Drohnen wie die Belieferung von Adressen in abgelegenen Gegenden – ein Paketcopter von DHL kämpft sich bereits tapfer durch jedes Wetter zur abgeschiedenen Alm hoch. Logistikanbieter planen mit vier- bis sechsfach bereiften Transportboxen, die bald an Hund und Mensch vorbeirollen. Hermes testet Lieferroboter im Umkreis von Paketshops, mittelfristig ist ein Service für Apotheken und Lebensmittelhändler angedacht.

Alternativ schwärmen Drohnen und Roboter aus dem Lieferfahrzeug aus. Große Firmengebäude, Lager, Krankenhäuser, Werksgelände, Hotels und Einkaufscenter könnten zukünftige Einsatzgebiete werden. Und am Ende des Tages findet sich vermutlich immer jemand, der dafür zahlt – oder mit Drohne und Roboter Marke Eigenbau selbst seine Waren transportiert. Schließlich gehört die Zukunft auch dem 3D-Druck, der diesbezüglich vieles leichter macht. „Aus Konsumentensicht wird alles besser, schneller, transparenter“, prognostiziert Hudetz kurz. Bald schon. Der neue Kauf-Kosmos ungeahnter Möglichkeiten nimmt gerade kräftig Anlauf.

Text: Ulrike-Johanna Badorrek

Foto Teaser: ©Getty Images
Foto ganz oben ©iStock

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