Geci Stage

Geci Karuri-Sebina Ein Mittwoch im Jahr 2067

Beziehungen sind alles.

Geci Karuri-Sebina, eine Architektin und Städteplanerin aus Südafrika, stellt sich einen ganz gewöhnlichen Mittwoch im Jahr 2067 vor. Einen Tag, der einerseits von einer engen Vernetzung mit der Technik bestimmt wird, andererseits aber auch von starken Bindungen zu anderen Menschen – so wie es die traditionellen Adinkra-Symbole aus Westafrika darstellen.

Wer zurückgeht, kann vorangehen.

Geci Karuri-Sebina arbeitet für eine Organisation namens Cities Network und erforscht, wie afrikanische Städte funktionieren und wie sie sich entwickeln werden. Sie sieht die rasante technische Entwicklung, ist aber überzeugt, dass wir uns zunehmend die Frage nach dem Sinn stellen werden – nicht nur in Afrika.

„Wenn wir uns weiterentwickeln wollen, wie können wir das in Afrika oder anderswo in der Welt am sinnvollsten tun?“, fragt sie. „Und was bedeutet es, wenn wir Städte haben, in denen achtzig Prozent der Bevölkerung zu arm sind, um sich darüber auch nur Gedanken zu machen? Wie bewahrt man Gutes? Afrikanische Städte sind in vielerlei Hinsicht erstaunlich. Es gibt dort echte Lebensfreude. Echtes Glück. Wie kann man Dinge verbessern, ohne das dabei zu verlieren?“

Natürlich ist das Ziel klar: die Lebensqualität durch Infrastruktur und Technologie zu verbessern. „Aber“, ergänzt sie, „es geht auch um Fragen des Bewusstseins, um gesellschaftliche Fragen, die Frage, wer wir sein wollen. Vielleicht liegt genau darin unsere Chance, anderen voraus zu sein. Die Welt freundet sich erst allmählich mit dem Gedanken an eine Shared Economy, an solidarisches Wirtschaften, an. Wir in Afrika pflegen das schon immer, viele von uns leben diese Idee bereits. Die Vorstellung von Nachhaltigkeit, von einer grüneren Zukunft – für viele von uns ist das Alltag. Diese besondere Beziehung zur Umwelt ist tief in uns verankert.“

Geci Karuri-Sebina interessiert sich dafür, wo die afrikanischen Stärken liegen: „Ich glaube, wir Afrikaner sind sehr soziale Wesen. Alles ist eng mit der Familie verbunden, doch die Verbindungen reichen darüber hinaus, sie umfassen auch die Gemeinschaft und das, was wir als menschlich empfinden. Das ist sehr wesentlich für uns, denn es erscheint sehr schwierig, sich eine individuelle Zukunft, individuellen Erfolg oder individuelles wirtschaftliches Wachstum vorzustellen. Dazu braucht es die Verbindung zu etwas Größerem. Allmählich verstehen die Menschen, wie eng die Zukunft von uns allen verknüpft ist. Allein kann sich eine Gemeinschaft oder ein Land oder eine Spezies nicht entwickeln.“

Für Geci Karuri-Sebina ist die Technik ein wichtiger Faktor in Bezug auf Information und Effizienz. „Wir werden uns intensivere menschliche Kontakte wünschen“, weil viele der Menschen, mit denen wir bislang direkten täglichen Kontakt hatten, durch persönliche Assistenten, sogenannte Bots, oder andere Technologien ersetzt werden. Eine bedeutende Veränderung für hypersoziale Gesellschaften wie in Afrika. Geht es nach Geci Karuri-Sebina, sollten Afrikaner aus ihrer Vergangenheit lernen. „Nur wer zurückgeht, kann auch vorangehen.“ Sie betont die Werte, die aus den traditionellen Adinkra-Symbolen Westafrikas sprechen, „Symbole, die ein universelles humanes Wertesystem reflektieren: Familie, Integrität, Toleranz, Harmonie, Hingabe, Fürsorge und viele andere. Diese Symbole sind sehr alt, dennoch können sie uns in die Zukunft führen.“

Die Architektin und Städteplanerin Geci Karuri-Sebina hat sich mit ihrer Arbeit einem einzigen Ziel und Motto verschrieben: „Afrika muss seine Zukunft selbst in die Hand nehmen.“ Karuri-Sebina möchte, dass sich dieses bewusste Nachdenken über die Zukunft auf alle Ebenen der afrikanischen Gesellschaft erstreckt. Sie ist optimistisch, dass mit der richtigen Planung ein positiver Wandel für ihre Heimat Südafrika und für den afrikanischen Kontinent insgesamt möglich ist. Als Executive Director of Programmes verantwortet Karuri-Sebina das Forschungsprogramm des South African Cities Network. Außerdem gehört sie der Leitung des südafrikanischen „Node“ des Millennium Project an – einem internationalen Thinktank zur Erforschung der Zukunft. Geci Karuri-Sebina lebt in Johannesburg.
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Illustrationen: ENKYEM und NKYINKYIM ©openclipart; NKONSONKONSON ©iStockphoto; alle anderen ©Fotolia

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